Wochenzeitung

Wochenzeitung:

Bundestagswahl 2017
Neugestaltung Loreley Plateau

Interaktiver Internetstadtplan

Unesco-Welterbe

Verbandsgemeinde
Loreley
im Weltkulturerbe
oberes Mittelrheintal

Wetter
Kontakt

Verbandsgemeinde-verwaltung
Loreley

Dolkstraße 3
56346 St. Goarshausen

Telefon: 06771 – 919 - 0
Telefax:  06771 – 919 - 135

E-Mail an die Verwaltung:
rathaus@vg-loreley.de

Aufgabenbereiche und Mitarbeiter/innen

Öffnungszeiten

Verwaltungsstellen

Dolkstr. 3, 56346 St. Goarshausen

und

Friedrichstr. 12, 56338 Braubach

Montags bis Mittwochs von 8.00 bis 16.00 Uhr

Donnerstags von 8.00 bis 18.00 Uhr

und Freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr

Das Sozialamt ist Mittwochs geschlossen

Solarkataster


Solarkataster
Rhein-Lahn-Kreis

Gewerbeflächen VG Loreley

Chronik

Seite ausdrucken

Der Reitzenhainer Kuckuck im blauen Ländchen

Unweit der alten Römerstraße, die von Patersberg am Galgenkopf vorbei in das Hinterland führte, liegt in einer Senke das Dorf Reitzenhain. Das heutige, von Wald- und Feldflächen geprägte Landschaftsbild geht auf eine Rodungsperiode im Hochmittelalter zurück. Zeitgleich damit entstanden auch Siedlungen, für die sich Namen mit den Endungen -rod und -hain einbürgerten. Reitzenhain war demnach noch ein relativ junger Wohnort, als es um 1250 erstmals als "Ritzenhagen" und "Rizenhain" urkundlich erwähnt wurde. Die Herren von Isenburg besaßen als Nachfolger der Arnsteiner Grafen die Vogtei und Grundherrschaft im Gericht Niederwallmenach, zu dem auch das Dorf Reitzenhain gehörte.

Urkunde

 

Im Jahre 1283 war Ritter Simon von Heppenhedt belehnt. Er gehörte zu dem angesehenen Geschlecht der aus Weisel stammenden Ritter, deren Burg nahe dem Zusammenfluß von Forst- und Krummbach stand.

 

Aus dem Jahre 1283 ist zu erfahren, daß der Ritter Simon von Heppenheft die Isenburger Güter zu Niederwallmenach und Reitzenhain als Lehen trug. Zu dieser Zeit waren die Grafen von Katzenelnbogen schon bestrebt, ihren Herrschaftsbereich auf den Einrich zu erweitern. 1379 erwarb Wilhelm II. von Katzenelnbogen alle Güter und Rechte, die Antonius und Ulman von Montfort auf dem Einrich - darunter auch in Reitzenhain - besaßen. Und das Verkaufskarussell drehte sich weiter. Im Jahre 1416 verkaufte Graf Phillipp von Nassau-Saarbrücken die Dörfer zu Wallmenach und "Rytzenhan", die er zwei Jahre zuvor für 1100 Gulden von Philipp von Isenburg erworben hatte, für 1200 Gulden an Johann II. von Katzenelnbogen. Der eine hatte ein gutes Geschäft gemacht, der andere erhielt "mit allen ihren Rechten, Herrschaften, Vogteien, Wildbännen, Fischereien, Leuten, Zinsen, Kirchsätzen, Höfen, Beden, Steuern, Korngülten, Weizengülten, Pfenniggülten, Äckern, Wiesen, Gerichten, Wäldern, Wasser und Weide" die kompletten landeshoheitlichen und grundherrlichen Rechte. Reitzenhain war damit Bestandteil der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, die vom Schloß Rheinfels aus regiert wurde.

Nach dem Aussterben des Grafengeschlechts kamen 1479 deren hessische Verwandte in den Besitz des Ländchens. Bis 1626 wurde es von der Hessen-Kasseler Linie regiert, dann von Hessen-Darmstadt erobert, 1647 von Kassel zurückerobert und dem Landgrafen Ernst von der Seitenlinie Hessen-Rotenburg übergeben. Erst 1806 endete die Hessische Landeshoheit in der Niedergrafschaft.

Orgelempore


Bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1991 wurden an der Orgelempore zwei Orginalgemälde freigelegt, die aus der Entstehungszeit der Kirche stammen. Sie stellen Moses mit den zehn Geboten und seinem Bruder Aaron dar

 

Schon vor der Einführung der Reformation waren Niederwallmenach und Reitzenhain Filiale der Oberwallmenacher Kirche. 1719 hatte Niederwallmenach eine neue Kirche "glücklich zustand gebracht und geendigt", und drei Jahre später "fiel es den Leuten ein, ihren eigenen Pfarrer zu haben, hielten höheren Orts darum an und erhielten, was sie begehrten". Auch der Pfarrort Oberwallmenach erhielt 1733 ein neues Gotteshaus. Da konnte auch Reitzenhain nicht lange zurückstehen. 1738 konnten auch sie ihre neue Kirche einweihen, die einen älteren Kapellraum ersetzte. Diese Kirche hat bis heute ihr Aussehen auch im Inneren bewahrt. Lediglich das Kirchengestühl und der Altar wurden 1847 neu beschafft. Durch die Innenrenovierung im Jahre 1991 wurde die originale Farbfassung der Entstehungszeit wieder hergestellt. Bei dieser Gelegenheit entdeckte man auch zwei Emporengemälde aus der Entstehungszeit. Sie zeigen Moses mit den zehn Geboten und seinen Bruder Aaron. Zusammen mit der 1752 eingebauten Orgel aus der Werkstatt der Bad Emser Orgelbauer Schöler ist die Kirche so wieder zu einem Schmuckstück der Gemeinde geworden.

Rund 360 Einwohner zählt das heutige Reitzenhain. Diese Zahl ist das Ergebnis eines langsamen, aber stetigen Wachstums. 1587 gab es hier 23 Haushaltungen, im Jahr 1683 waren es 59 Einwohner. Im 18. Jahrhundert scheint der Ort den typischen Charakter eines Straßendorfes erhalten zu haben. In jener Zeit entstanden zahlreiche verputzte Fachwerkhäuser, die bis heute das Straßenbild bestimmen, obwohl der Brand vom 2. Juli 1803 das halbe Dorf mit Backhaus und Schule in Schutt und Asche legte. 1680 hatte Reitzenhain dieses Schulhaus neu gebaut, nachdem die Kinder bis dahin den Unterricht in Oberwallmenach besuchten mußten. Neben der Kirche errichtete man 1804/05 eine neue Schule mit Lehrerwohnung und Scheune. Sie genügte bis 1892 allen Anforderungen, doch die gewachsene Schülerzahl machte den dritten Schulbau notwendig. Er beherbergte von 1897 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1971 die einklassige Volksschule, und dient seitdem als evangelisches Gemeindehaus.Rathaus


1930 erhielt Reitzenhain sein Neues Rathaus. Kindergarten, Backhaus, Viehwage und Feuerwehrgeräte waren darin untergebracht. Seit der Renovierung von 1985 wird hier sogar wieder Brot gebacken.

 

Im Jahr 1836, als noch jedes dritte der 61 Wohnhäuser mit Stroh gedeckt war, wurde nur in 14 Familien ein Handwerk betrieben. Die Landwirtschaft war die vorrangige Erwerbsquelle der 308 Einwohner. Bis 1872 hatte sich daran wenig geändert. wie die Kurzübersicht des "Geographischen Führers" zeigt: "99 Haushaltungen, 329 Einwohner; Bürgermeister, der Heppenhof, zwei Mahlmühlen, Kram- und Schenkläden, Landbau und Viehzucht"

Das relativ spät durchgeführte Umlegungsverfahren der Jahre 1928 bis 1935 konsolidierte die durch Erbteilungen immer weiter aufgesplitteten Parzellen der Gemarkung auf rationell zu bearbeitende Wirtschaftsflächen. Noch heute gibt es in Reitzenhain drei Vollerwerbslandwirte. Bei den zahlreichen Bau- und Umbauarbeiten an gemeindeeigenen Gebäuden haben die Einwohner stets in hohem Maß Eigenleistung eingebracht. Die Wohnqualität in der Landgemeinde konnte dadurch entschieden verbessert werden. Auch die Aktivitäten der Ortsvereine tragen dazu bei. Der 1913 gegründete Turnverein und der gemischte Chor sorgen für ein reichhaltiges Freizeit- und Kulturangebot in Reitzenhain. Übrigens gibt es ein weiteres Reitzenhain im Erzgebirge. Die langjährige Partnerschaft beider Gemeinden wurde 1991 durch den Austausch von Urkunden besiegelt.